#savethegalaxy – Samsung und sein verbranntes Smartphone

Greenpeace und andere Umweltorganisationen protestieren gegen das Vorhaben von Samsung, 4,3 Millionen Exemplare des „burner phones“ Galaxy Note 7 zu verschrotten. Nachdem öffentlichkeitswirksam die Akkus einiger Geräte in Flammen aufgegangen sind, unter Anderem in Hosen- Hand- oder Jackentaschen, hatte Samsung eine Rückrufaktion gestartet und die Produktion und den Verkauf ihres neuen Smartphones gestoppt.

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Bild: Crazyfaith | imgur

In so einer Situation stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage, was mit den erst einmal unverkäuflichen Geräten geschehen soll. Man muss sich an dieser Stelle vor Augen führen, um was für einen buchstäblichen Berg von Smartphones es sich handelt. Ginge man davon aus dass alle verkauften Geräte durch die Rückrufaktion wieder bei Samsung landeten, läge das Gesamtvolumen zwischen 350.000m³ und 400.000m³, bei einem Gewicht von ca. 650 Tonnen, ohne Verpackung, Zubehör und Beilagen. Das entspricht dem Gewicht von drei voll besetzten Boeing 747!

Ökonomisch ist wohl aus der Sicht von Samsung die Verschrottung am sinnvollsten. Ökologisch gesehen allerdings ist das ein GAU. Doch selbst wenn man Samsung und den Verwertern unterstellt dass versucht wird, so viele Rohstoffe aus den Geräten zu holen wie möglich, macht es das im wesentlichen nicht besser.

Was steckt noch drin?

Laut Aussage des Öko-Instituts auf Anfrage von Greenpeace sind mehr als 20 Tonnen Kobalt, 1 Tonne Wolfram, 1 Tonne Silber, 100 Kilogramm Gold und zwischen 20 und 60 Kilogramm Palladium in den Geräten verbaut. Dazu kommen dutzende weitere Stoffe wie Kupfer, Zinn und andere weniger Wertvolle Metalle, aber auch seltene Erden.

Ein großer Teil davon ließe zwar sich mit modernen Recyclingverfahren aus dem Schrott lösen, viele Rohstoffe lassen sich aber nur teilweise, manche überhaupt nicht zurückgewinnen. Das sind leider vor allem die Stoffe deren Gewinnung bereits erheblichen Aufwand erfordert hat, die aber nur in sehr geringen Mengen in den Geräten verbaut sind. Auch die Rohstoffpreise auf den Weltmärkten spielen eine Rolle. Lohnt sich das eingesetzte Verfahren finanziell für den Entsorger?

Recycling ist zwar besser als Verschrotten, aber nicht die beste Option die Samsung offen steht. Upcycling ist hier das Wort der Stunde. Denn die tatsächlich verbauten Rohstoffe sind nur die eine Seite der Medaille. Von den Förder- und Abbaustellen des Rohmaterials bis zum fertigen Smartphone ist es noch ein weiter, aufwendiger Weg der seinerseits ebenfalls viele Ressourcen, Logistik und Arbeitsaufwand erfordert.

Recycling – was dann?

Pro Smartphone werden schätzungsweise etwa 75 Kilogramm Ressourcen aufgewendet, das entspricht bei 4,3 Millionen Geräten etwa 322.500 Tonnen Rohstoffen, das dreifache Gewicht des havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia!

Diese sind, ob Recycling oder Verschrottung, dann umsonst eingesetzt worden. Werden die Geräte recycelt um Gold, Wolfram, Palladium & Co wieder in den Wertstoffkreislauf einzuführen, müsste eine ähnlich hohe Menge an Ressourcen, ganz zu schweigen von Logistik und Arbeit, aufgewendet werden um daraus erneut funktionsfähige Smartphones einer anderen Linie herzustellen. Deshalb ist auch das Recycling der Rohstoffe kritischer zu sehen, als es auf den ersten Blick anmutet.

Der ökologisch sinnvollste Weg wäre wie bereits erwähnt, die Geräte zu upcyclen. Das bedeutet entweder neue Akkus und Ladeelektronik einzubauen, oder die Geräte bzw. deren Komponenten für alternative Verwendungszwecke zu nutzen. Prozessoren, Arbeitsspeicher, Kamera(s), Leiterplatinen oder Displays ließen sich nicht nur als Komplettgerät refurbishen, sondern auch als Einzelteile weiterverwenden. Allerdings wird auch hier ein erheblicher Arbeitsaufwand und langfristiger Support benötigt, um dies in die Tat umsetzen zu können.

Nach der heftigen Reaktion auf die Verschrottungspläne hat sich nun sogar das koreanische Umweltministerium geäußert und mit Geldstrafen gedroht, falls Samsung die Geräte nur verschrotten sollte. Das ist besonders bemerkenswert, da Samsung aufgrund seiner tiefen Verwurzelung in seinem Heimatland in der Vergangenheit besonders viele Freiheiten hatte und selten bis gar nicht für Fehlverhalten belangt wurde.

Wer sich engagieren möchte kann hier eine Petition gegen die Verschrottung des Note 7 zeichnen, die von Greenpeace initiiert wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Samsung dem öffentlichen Druck beugt und eine sinnvollere Verwendung der Geräte wählt als Berge von Elektroschrott zu produzieren.

 

 

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