Entsorgung – wohin mit alter IT? (Teil 1)

Als Mensch der „irgendwas mit Computern“ arbeitet bekomme ich immer wieder die Frage zu Hören, was zu tun ist mit ausgedienten oder defekten IT-Geräten, vom Smartphone bis zum Heimkino.

Bei Batterien haben sich die öffentlichen Abgabeboxen seit Jahren etabliert. Wer seine alten Batterien im Hausmüll entsorgt handelt heute wider besseren Wissens. Bei Elektro- und IT-Geräten sieht die Sache anders aus. Es gibt viele Wege diese fachgerecht zu entsorgen, aber die wenigsten sind bekannt.

Lebt es noch?

Zunächst macht es einen Unterschied ob ein Gerät wegen eines tatsächlichen Defekts ausgetauscht wird oder ob ein besserer Nachfolger das Altgerät ablöst. Bei vielen Notebooks, PCs und vor allem Smartphones ist nämlich letzteres der Fall. Wer z.B. einen Mobilfunktarif hat der ein Neugerät alle X Jahre vorsieht, sortiert in der Regel ein funktionierendes Gerät aus.

In diesem Fall sollte man sich nach potentiellen Anschlussverwendungen umschauen. Vereine, Flüchtlingsheime, Kindertagesstätten oder ähnliche gemeinnützige und chronisch unterfinanzierte Institutionen sind oft dankbar für gebrauchtes aber funktionstüchtiges IT-Equipment. Auch Freunde und Bekannte oder Familienmitglieder sind ein guter Anlaufpunkt.

Findet man gar keine Abnehmer in seinem Umfeld, gibt es immer die Möglichkeit dem Gerät via Online-Auktion, FreeYourStuff-Gruppen oder ähnlichen Angeboten ein neues Zuhause zu verschaffen, oder es an einen zertifizierten Refurbisher zu verkaufen. Letzteres ist vor allem für Unternehmen interessant, da Refurbisher Geräte oft nicht von Privatpersonen oder nur in größeren Stückzahlen kaufen, dafür aber den Austausch des IT-Equipments bis hin zur Komplettdienstleistung anbieten.

Dabei sollte man darauf achten dass der Anbieter transparent macht, was mit den Geräten geschieht. Viele Ankäufer von Gebrauchtgeräten haben kein Interesse an der Wiederaufbereitung für den europäischen Markt, sondern verkaufen die Geräte im ist-Zustand direkt weiter. Das hat oft zur Folge, dass sie am Ende doch als Elektroschrott auf Mülldeponien in Zentralafrika landen, wo die Ausschlachtung und endgültige Entsorgung weder den Arbeitern gegenüber menschenwürdig, noch in irgendeiner Weise umweltverträglich ist. Es empfiehlt sich also, sich an einen Refurbisher und nicht an einen Gebrauchtgeräte-, oder gar Schrotthändler zu wenden.

Wichtig: Persönliche Daten Löschen

Egal in wessen Hände man seine ausgemusterten IT-Geräte zur Weiterverwendung gibt, es sollte immer klar sein dass auf den Festplatten persönliche Daten gespeichert sind. Privatpersonen sollten daher unbedingt die Datenträger vor der Weitergabe mit Software reinigen (z.B. mit Eraser, DBAN oder SafeErase), da bei bloßem „händischen“ Löschen die Daten nach wie vor ausgelesen werden können. Das gilt auch für die Zurücksetzen-Funktion.

Bei Smartphones reicht es ebenfalls nicht, das Gerät auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, da auch hier die Daten weiter lesbar bleiben. Je nach Betriebssystem (iOS, Android, WindowsPhone, Blackberry OS) gibt es verschiedene Möglichkeiten die Daten zu löschen.

Für Firmen ist die Löschung der ausgemusterten Datenträger ohnehin Pflicht. Dafür bieten einige Refurbisher die Löschung personenbezogener Daten sogar als zertifizierte Dienstleistung im Rahmen von Auftragsdatenverarbeitung mit an.

Warum man sich diese Mühe machen sollte

Das alles klingt nach viel Aufwand für die Entsorgung eines Alltagsgegenstandes. Dennoch sollte man sich vor Augen führen, dass IT-Geräte zu den technisch komplexesten und ressourcenintensivsten Produkten unseres Alltags gehören, vergleichbar mit einem Auto. Dieses jedoch kann man nicht einfach bei sich zu Hause in die Restmülltonne werfen. Es käme auch niemand auf die Idee seinen intakten, TÜV geprüften Gebrauchtwagen beim Wertstoffhof kostenlos abzugeben. Vielmehr gibt es hier mannigfaltige Möglichkeiten, vom Weiterverkauf bis zur Ausschlachtung, die in der Regel genutzt werden. Das hängt zwar auch damit zusammen dass ein Auto deutlich teurer ist als ein Laptop,  die ökologische Sinnhaftigkeit allerdings ist vergleichbar.

Jedes neu produzierte, auch noch so billige Notebook verbraucht durchschnittlich 750kg Ressourcen und emittiert im Mittel 240kg CO² (ohne Transportwege!). Deshalb gilt: Je länger ein Gerät im Einsatz ist bevor es früher oder später Elektroschrott wird, desto nachhaltiger. Die Lebensdauer ist der entscheidende Faktor für den relativen Ressourceneinsatz, der logischerweise bei längerer Nutzungsdauer entsprechend sinkt. Solange das Gerät noch technisch funktioniert, gibt es keinen Grund es vorzeitig für Schrott zu erklären, auch wenn das neue Smartphone schöner oder der neue PC schneller ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s