Lithium Abbau im Erzgebirge – Synergie ist nicht Recycling

Wie dpa, greenpeace-magazin und andere grüne Outlets berichten, wird künftig auf der Tschechischen Seite des Erzgebirges aus Erzresten des Wolframabbaus in Cinovec (Böhmisch-Zinnwald) Lithium gewonnen. Lithium kommt in der IT vor allem bei der Produktion von modernen und leistungsfähigen (Lithium-Ionen) Akkus zum Einsatz. Die Investoren schätzen, dass sich bis zu 2100 Tonnen Lithium in den Resten verbergen. Das entspricht nach aktuellen Marktpreisen etwa 42.000.000 US-Dollar.

Einige Berichte sprechen hier von „Quasi Recycling“, da die Erze ja bereits einmal verarbeitet wurden um das Wolfram daraus zu lösen. Und in der Tat: Der primäre Abbau der Erze mit Sprengstoff, Baggern und Chemikalien ist bereits geleistet, die Gewinnung des Lithiums daher unbestreitbar weniger intensiv in Bezug auf Umweltbelastung. Trotzdem weckt der Begriff „Recycling“ an dieser Stelle irreführende Assoziationen.

Aus dem Erz, in diesem Fall vor allem Zinnwaldit, muss das Lithium nach wie vor mit Säuren ausgewaschen werden. Die lithiumhaltige Salzlösung wird dann zunächst an der Luft eingeengt bis der Lithiumgehalt die 0,5% Marke übersteigt. Durch Zugabe von Soda (Natriumcarbonat) fällt schwerlösliches Lithiumcarbonat aus. Um daraus metallisches Lithium, z.B. für die Akku-Produktion zu gewinnen, muss das Lithiumcarbonat mit Salzsäure umgesetzt werden. Dabei entsteht Litihiumchlorid sowie das Klimagas CO². Im letzten Schritt wird per Schmelzflusselektrolyse aus 52 Massenprozent Lithiumchlorid und 48 Massenprozent Kaliumchlorid  metallisches Lithium (Li) hergestellt. Kalium wird seinerseits industriell im Kali-Bergbau gefördert.

Das Lithium wird also, entgegen der mit dem Begriff Recylcing verbundenen Assoziationen, keineswegs umweltneutral hergestellt. Es entfällt lediglich der Schritt des Primärabbaus, bei dem man in diesem Fall wohl eher zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat, statt tatsächlich zu Recyclen. Trotzdem: Der Gedanke die Abfallprodukte als Ressourcenquelle zu nutzen geht in die richtige Richtung.

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